Als die Wörter tanzen lernten (gebundenes Buch)

Ursprung und Gegenwart von Sprache
ISBN/EAN: 9783827415608
Sprache: Deutsch
Umfang: 456 S.
Format (T/L/B): 3.3 x 21.7 x 14.1 cm
Auflage: 1. Auflage 2007
Einband: gebundenes Buch
24,00 €
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Wie kam der Mensch zur Sprache? Können wir dem Ursprung der Sprache auf die Spur kommen, indem wir beobachten, wie wir heute kommunizieren? Lassen sich die Erkenntnisse der Sprachforschung, der Verhaltensbiologie, der Evolutionspsychologie und anderer Disziplinen so zusammenführen, dass wir zumindest erahnen, wie jenes einzigartige und wunderbare Kommunikationsmittel, die menschliche Sprache, einst entstanden ist und unter welchen Rahmenbedingungen sie sich weiter entwickelt hat? Der Linguist Wolfgang Steinig trägt in diesem Buch eine Vielzahl von Befunden zusammen, die dem Leser einen tiefen Einblick in die Entstehungsgeschichte der sprachlichen Verständigung vermitteln und die oft versteckten Spuren jenes evolutionären Erbes in unserer heutigen Sprache ans Licht holen. Dabei verfolgt der Autor eine provozierende These: Sprache a?" oder genauer: ihre grundlegende Grammatik a?" hat sich aus tänzerischen Ausdrucksformen entwickelt. Wörter mussten gewissermaßen das Tanzen lernen, um sich zu jenen komplexen grammatischen Mustern zu fügen, mit denen wir uns heute so selbstverständlich verständigen. Sprache lässt uns aber gerade wegen ihrer Komplexität immer wieder stolpern. Wer jedoch ihre Handicaps meistert und sich elegant und fehlerfrei auszudrücken weiß, erwirbt im evolutionären Wettbewerb Vorteile. Lassen Sie sich von diesem spannenden und wohl formulierten Buch entführen: in die entlegene Vergangenheit der menschlichen Sprache, in ihre modernen Ausprägungsformen, in die grammatischen Grundstrukturen ebenso wie in die Biologie und Psychologie des Sprechens. Wie und warum entstand Sprache? Warum wurden Wörter und Grammatik notwendig? Hat sich der Aufwand gelohnt? Welche Anpassungsvorteile brachte Sprache mit sich? In welcher Weise bedingen Sprache und Kulturevolution einander? Findet man in heutigen Sprachen Spuren, die auf ihren Ursprung schließen lassen? Warum scheitern wir im Alltag so oft an unseren Formulierungen? Warum hören und sagen wir oft nicht das, was eigentlich gemeint war? a?" So viele Fragen, die sich jedem, der über Sprache und Sprechen nachdenkt, stellen könnten, die aber bislang keineswegs erschöpfend und in einem schlüssigen Gedankengebäude beantwortet wurden. Wolfgang Steinig macht sich daran, diesen und zahlreichen weiteren Fragen auf den Grund zu gehen und sie mit einer neuen Theorie einer Antwort näher zu bringen a?" keiner grauen Theorie, sondern einer Sicht auf Sprache, die mit zahlreichen Beispielen aus dem heutigen Sprachleben illustriert ist. Seine facettenreiche a?" linguistisch-anthropologisch-biologisch-psychologische a?" Darstellung schlägt einen weiten Bogen: von den anatomischen, soziobiologischen und ökologischen Ursprüngen von Sprache über die Entwicklung der Schrift bis hin zu aktuellen pädagogisch-didaktischen Aspekten wie Rechtschreibreform, Mehrsprachigkeit, Fremdsprachenerwerb und Medienkompetenz. Ein zentrales Element des mit Witz und Eleganz geschriebenen Buches ist die Anwendung des Handicap-Prinzips auf die menschliche Sprache. Diese Spur führt den Autor zu einer verblüffenden Annahme: Die Entwicklung des Tanzens in der frühen Menschheitsgeschichte hängt unmittelbar mit der Evolution von Grammatik zusammen a?" die Wörter mussten sozusagen das Tanzen lernen, um ihren Siegeszug als einzigartiges und höchst variables Kommunikationsmittel anzutreten.
Wolfgang Steinig ist Professor für Germanistik an der Universität Siegen. Zuvor hat er an Universitäten und Hochschulen in Großbritannien, Griechenland und den Niederlanden sowie in München und Heidelberg gearbeitet. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Soziolinguistik, Deutsch als Fremdsprache, Sprachdidaktik und Schreibforschung.
Zum Beginn 1. Ein Anfang mit Handicaps Linguistik und Biologie - Evolution und Selektion - Sprachwandel und der Kampf ums Dasein - Das Handicap-Prinzip - Sexuelle Selektion - Sprachliche Normen - Wozu taugt eine komplexe Sprache? - Kommunikation bei den Eipo - Seinen Platz behaupten - Zuverlässigkeit von Signalen 2. Selektion von Signalen Verständigung und mehr - Akzeptanz, Missbrauch und Täuschung - Sprache und Geld - Standardisierung und Vergleichbarkeit - Natürliche Selektion und Signalselektion - Wörter mit hohen Signalkosten - Beurteilung von Sprechern - Qualitäten von Hominiden - Egoismus und Altruismus 3. Verschlungene Wege zum Menschen Der aufrechte Gang - Mehrfacher Exodus aus Afrika - Homo sapiens - Große Köpfe - Wandlungen im Verhältnis der Geschlechter - Sex für Fleisch: Domestizierung der Männer - Kontrolle sexueller Begierde - Grabbeilagen und Brandopfer - Höhlenzeichnungen und Jagdmeditationen - Illusionstheater mit rotem Ocker 4. Als die Wörter tanzen lernten Tierische Kommunikation und Sprache - Das Baukastenprinzip - Rekursivität - Tanz auf zwei Beinen - Beschränkungsregeln - Vom Tanz zur Grammatik - Sätze in Baumkronen 5. Grammatik und Semantik kommen ins Spiel Vom Tanz zur Musik - Von der Musik zur Sprache - Die Alten mischen sich ein - Grammatik kommt in den Alltag - Namen und Bezeichnungen - Entwicklung der Alphabetschrift 6. Sprachliche Fossilien Mit der Zunge schnalzen Klang und Aussprache von Klicks - Alte Völker im Süden Afrikas - Von protosprachlichen Lautclustern zur komponentiellen Silbenstruktur Stimmen im Kopf Fossilien ritueller Sprache - Kognition des Bewusstseins Reden Gespräche und Denken Die allmähliche Verfertigung der Gedanken in Gesprächen und Reden - Die Integration von Gespräch und Rede - Denken und Sprechen 7. Ritual und Sprache Warum Rituale? - Bedeutsame Signale mit geringer Bedeutung - Mantras - Religiöse Texte - Risiken beim Kontakt mit dem Heiligen - Kosten und Handicaps von Ritualen - Sprachpflege - Sprache in Ritualen und im Alltag 8. Grammatik für Gespräche Gespräche bei einem Klassentreffen - Sich lausen, singen und Gespräche führen - Passende Anschlüsse - Die Sequenzierung von Gesprächen durch Grammatik- Fragen und Befehle - Sein Rederecht behaupten 9. Essen und Sprechen: Risiken in Mund und Rachen Sich verschlucken - Präzise Bewegungen in Mund und Rachen - Flirts beim Essen 10. Homo didacticus Der Wunsch, es allen zu zeigen - Zeigende Wesen - Immer höflich und zum Flirt bereit - Weitergabe nützlicher Informationen - Statusgewinn durch gut verpackte Informationen - Wahrheit und Fiktion - Kommentare zu Informationen - Sprachliche Kostenerhöhung 11. In Kinder und Sprache investieren Hilflose Traglinge -Ein akustisches Band - Elterliche Didaktik - Gute Mütter und Väter sind gefragt - Partnerwahl im Patriarchat Zum Schluss